Projekte
F U N K T I O N S G E B Ä U D E
F C S T . P A U L I H A M B U R G
Neubau eines Funktionsgebäudes für die Profimannschaft
Einladungswettbewerb FC St. Pauli von 1910 e.V.
Trainingsgelände Kollaustraße / Langenhorst 6, Hamburg
Entwicklung Nutzungskonzept | Vorentwurf | 2026
Konzept: Schutzraum, Fokus Ort und Identitätsträger für Leistung, Regeneration und Gemeinschaft
Schutz. Fokus. Identität.
Schutz nach außen vor Lärm, Einblicken und äußeren Störungen.
Fokus nach innen auf Leistung, Regeneration und den konzentrierten Trainingsalltag. Identität als baulicher Ausdruck eines Vereins, der Eigenständigkeit, Nachhaltigkeit und Haltung verkörpert.
Das neue Funktionsgebäude für die Profimannschaft des FC St. Pauli soll auf einem rund 1.900 m² großen, dreiecksförmigen Baufeld am Trainingsstandort Kollaustraße entstehen. Die unmittelbare Lage an der stark frequentierten sechsspurigen Bundesstraße B447 bildet die zentrale Herausforderung des Entwurfs. Verkehrslärm, hohe Sichtbarkeit und ein heterogenes städtebauliches Umfeld prägen die Rahmenbedingungen des Standorts. Die umgebende Bebauung zeichnet sich durch eine große Vielfalt unterschiedlicher Maßstäbe und Gebäudetypologien aus. Wohngebäude, Gewerbebauten und großformatige Unternehmensstandorte bilden ein uneinheitliches Umfeld ohne übergeordnete städtebauliche Ordnung.


Vor diesem Hintergrund verfolgt das Projekt bewusst nicht das Ziel einer repräsentativen Landmarke im Straßenraum. Stattdessen entsteht ein Gebäude, das Schutz bietet, Orientierung schafft und die Qualitäten des Trainingsstandortes stärkt. Der Entwurf versteht das neue Funktionsgebäude als räumlichen Wellenbrecher. Während die bestehende Trainingsanlage heute weitgehend abgeschirmt und zurückhaltend in Erscheinung tritt, rückt der Neubau zwangsläufig stärker in die Öffentlichkeit. Die Architektur reagiert darauf mit einem klaren Konzept: Sie schützt die Nutzer vor Lärm, unerwünschten Einblicken und den Einflüssen des Straßenraums und konzentriert gleichzeitig alle wesentlichen Funktionen des Profibetriebs nach innen. Die Fassadenebene erscheint straßenseitig im hölzernen Gewand, das dezente Ein- und Ausblicke zulässt und gleichzeitig einen diskreten Schutz und Abstand vor zu viel Öffentlichkeit gewährleistet. So entsteht eine räumliche Insel für Leistung, Regeneration und Gemeinschaft. Die Architektur schafft optimale Voraussetzungen für einen modernen Trainingsbetrieb und übersetzt gleichzeitig die Werte des Vereins in gebaute Form. Authentizität, Nachhaltigkeit und Eigenständigkeit werden dabei zu wesentlichen Leitmotiven des Entwurfs. Anders bauen ist ebenso möglich wie "anderer Fußball".
Der U-förmige Baukörper bildet eine schützende räumliche Geste gegenüber dem lärmintensiven Straßenraum. Seine Gebäudeflügel fassen einen geschützten Innenhof, der Ruhe, Konzentration und Gemeinschaft ermöglicht. Die offene Seite orientiert sich zum Trainingsgelände und bildet das Herzstück der Anlage. Der Innenhof dient als Begegnungs-, Aufenthalts- und Kommunikationsraum für Spieler, Trainer und Mitarbeiter.
Durch die Gebäudeanordnung entstehen lärm- und blickgeschützte Außenbereiche mit hoher Aufenthaltsqualität. Eine um etwa 1,50 Meter erhöhte Podest Fläche bildet ein überdachtes Außenzimmer mit direktem Blick auf die Trainingsplätze. Forumsstufen, Treppenanlagen und eine für Stollenschuhe geeignete Rampe verbinden das Gebäude unmittelbar mit den Spielflächen und stärken die Beziehung zwischen Innen- und Außenraum.


Die Positionierung des Baukörpers berücksichtigt im Nordosten den vorhandenen Baumbestand sowie die funktionalen Anforderungen an die An- und Abfahrt des Mannschaftsbusses im Nordwesten. Gleichzeitig werden die notwendigen Flächen für die Zufahrt zur Stellplatzebene mit Ladestationen im Untergeschoss integriert.
Unter dem vorhandenen Baumbestand an der Ecke Kollaustraße und Langenhorst entsteht ein vorgelagerter Platz als Adresse des Gebäudes. Von hier aus erfolgt der Zugang über Treppen und eine barrierefreie Rampe zum ersten Erschließungskern mit Aufzug. Der Vorplatz wird durch einen kleinen Imbiss ergänzt und stärkt die Verbindung zwischen Verein, Mitarbeitern und Öffentlichkeit. Ein zweiter Erschließungskern befindet sich entlang der Kollaustraße im nordöstlichen Gebäudebereich. Die getrennte Organisation der Zugänge ermöglicht eine differenzierte Nutzung durch Besucher, Presse, Spieler, Trainerstab und Mitarbeiter und unterstützt einen reibungslosen Ablauf des täglichen Trainingsbetriebs.
Die innere Organisation folgt dem Prinzip des Fokus: Alle sportlichen, medizinischen, regenerativen, organisatorischen und kommunikativen Funktionen werden so angeordnet, dass kurze Wege, klare Abläufe und ein konzentrierter Trainingsalltag entstehen. Im Untergeschoss befinden sich Stellplätze, Technikflächen, Lager- und Nebenräume sowie die Bereiche des Zeugwarts. Durch die teilweise Einbindung in das Gelände kann eine natürliche Belüftung der Stellplatzanlage realisiert werden, wodurch technische und energetische Aufwendungen reduziert werden. Das Erdgeschoss/ Hochparterre nimmt die sportbezogenen Nutzungen auf. Krafttraining, Regeneration, Physiotherapie, medizinische Betreuung sowie Gemeinschafts- und Aufenthaltsbereiche gruppieren sich um den zentralen Innenhof und sind damit lüftungstechnisch von den Abgasen getrennt. Die offene Organisation fördert den Austausch zwischen den einzelnen Funktionsbereichen und schafft vielfältige Blickbeziehungen zum Trainingsbetrieb. Auf den verkehrstechnisch lärmintensiven Gebäudeseiten sind neben den beiden Treppenhaus- und Aufzugskernen die Umkleidebereiche angeordnet. Im Obergeschoss befinden sich die Arbeitsbereiche für Trainer, Management und Verwaltung sowie Besprechungsräume und Medienflächen. Analog zum Erdgeschoss orientieren sich die Aufenthaltsräume und Büros zum Innenhof, während Nebenräume und Erschließungsflächen entlang der verkehrsbelasteten Fassaden angeordnet werden.
Die Tragstruktur wird darüber hinaus so ausgelegt, dass eine spätere Erweiterung um mindestens ein zusätzliches Geschoss möglich bleibt. Dadurch kann auf zukünftige Entwicklungen flexibel reagiert werden. Die Dachkonstruktion ist so konzipiert, dass das Staffelgeschoss in Form von modularen Komponenten bauzeitoptimiert, erstellt werden kann.
Das Tragwerkskonzept verbindet die Vorteile des Massiv- und Holzbaus zu einer ressourcenschonenden Hybridkonstruktion. Die Sockel- und Parkebene sowie die Erschließungskerne werden in Stahlbeton erstellt, während die darüberliegenden Nutzungsebenen als Holzbau mit Holzmassivdecken konzipiert sind. Die Hybridbauweise verbindet die nachhaltigen Qualitäten des Holzbaus mit den brandschutztechnischen und konstruktiven Vorteilen des Stahlbetons. Die gewählte Bauweise reduziert den CO₂-Fußabdruck des Gebäudes und unterstützt die Nachhaltigkeitsziele des Vereins. Ergänzend kommen natürliche und ressourcenschonende Materialien wie Lehmputze, nachhaltige Bodenbeläge und langlebige Ausbaustoffe zum Einsatz. Der Entwurf orientiert sich dabei insbesondere an den Themenfeldern Klimaschutz, Ressourcenschonung, Kreislaufwirtschaft und der Schaffung hochwertiger Arbeitsumgebungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Nachhaltigkeit wird dabei nicht als Zusatz verstanden, sondern als Teil der architektonischen Identität. Die Materialwahl übersetzt die Werte des Vereins in eine robuste, ehrliche und ressourcenschonende Bauweise.
Das Fassadengesicht bildet die gestalterische Identität des Gebäudes. Die vorgelagerte zweite Haut aus Holz ist zugleich Schutzschicht und Identitätsträger. Sie filtert Einblicke, verbessert den sommerlichen Wärmeschutz, unterstützt die akustische Abschirmung und verleiht dem Gebäude eine eigenständige, warme und unverwechselbare Erscheinung. Die straßenseitige Holzstruktur ermöglicht kontrollierte Ein- und Ausblicke und gewährleistet gleichzeitig den notwendigen Abstand zur Öffentlichkeit. Der bestehende Baumbestand übernimmt ergänzend die Funktionen des Sicht- und Sonnenschutzes. Im Zusammenspiel mit der Holzfassade entsteht ein differenziertes Bild zwischen Natur, Architektur und Trainingsbetrieb. Bei Bedarf kann die zweite Haut zusätzlich für Lichtinstallationen und temporäre Inszenierungen genutzt werden und dem Gebäude auch in den Abendstunden eine prägnante Identität verleihen.